Eine ganz besondere Nische in der Uhrenindustrie belegen die Hersteller von Künstleruhren, die ganze Gemälde oder Stilelemente auf Armbanduhren abbilden. Obwohl die Käufer dieser Uhren nicht immer nur Kunstkenner sind, war der Kreis der Interessenten in der Vergangenheit oft auf diese Klientel beschränkt. Gerade aber Uhrensammler, die etwas Besonderes in Ihrem Uhrenportfolio haben möchten, entdecken in letzter Zeit diese ausgefallenen Produkte immer mehr. Interessant für sie ist, dass die Uhren einen hohen Seltenheitscharakter haben. Um die Exklusivität dieser kleinen Kunstwerke hervorzuheben, werden meist Armbanduhren in streng limitierten Sondereditionen mit Motiven bekannter Künstler aufgelegt. Durch die meist geringen Auflagen sind die Serien meist schnell vergriffen und weisen nicht selten eine hohe Wertstabilität auf bzw. erfahren nach Ausverkauf der meist raren Editionen eine Wertsteigerung.
Der Designer der kleinen Kunstwerke hat dabei die Möglichkeit, entweder möglichst das komplette Gemälde abzubilden, oder stilgebende Elemente auszuwählen, die kennzeichnend für den Künstler des Originalkunstwerkes sind. Eine besondere Herausforderung ist es dabei, auf einer kleinen Fläche des Ziffernblattes ein komplettes Gemälde unterzubringen, so dass das Motiv erkennbar ist. Gesamtabbildungen können im Kontext zu den anderen Bestandteilen einer Uhr wie dem Uhrengehäuse schnell kitschig und überladen wirken. Die Kosten für die Bedruckung der vielfarbigen Ziffernblätter sind nicht unerheblich, besonders wenn emaillierte Blätter verwendet werden. Der Preis alleine für ein Ziffernblatt liegt dann schnell bei 500 Euro und mehr. Bei der Gestaltung der Uhr mit lediglich einigen Stilelementen muss der Designer der Uhr in höherem Maße selbst als Künstler agieren. Er muss die wesentlichen Erkennungsmerkmale des Gemäldes herauszufiltern und mit eigenen Designelementen wie die Umrandung des Ziffernblattes, des Uhrengehäuses oder des Armbandes kombinieren. Dabei muss er beim informierten Betrachter der Armbanduhr eine Assoziation mit dem originären Künstler des Gemäldes erzeugen.
Künstleruhren gibt es u. a. mit Motiven von Max Liebermann (Automatikuhren erhältlich bei http://www.trias-uhren.de), Belasco (Seite des Künstlers http://www.belasco.de), Vermeer (günstiger Vertrieb durch 123.tv GmbH, http://www.123.tv), van Gogh und weiteren.
(Dieser Artikel wurde geschrieben von Dr. Daniel Lieser.)
Informationen zu den Künstlern dieses Artikels:
Max Liebermann (1847-1935)
Der bedeutendste deutsche Impressionist Max Liebermann wurde 1847 als Sohn eines vermögenden Industriellen in Berlin geboren. Nach einem Chemie-Studium besuchte er die Großherzog-Sächsische Kunstschule in Weimar und wurde dort von den Arbeiten Rembrandts stark geprägt.
1871 entsteht durch seinen Besuch der Niederlanden inspiriert, sein erstes großes Werk „Die Gänserupferinnen“. Da das real und klar in Szene gesetzte Bild auf der Hamburger Kunstausstellung auf geteilte Meinungen stößt, zieht er ins liberalere Frankreich.
Liebermann übernimmt 1876 die lebhafte Farbverwendung des niederländischen Portraitmalers Frans Haals und setzt die Wirkung des Lichts in seinen Bildern erstmals impressionistisch ein. 1880 malt er die berühmten „liebermannschen Sonnenflecken“, für die er im Pariser Salon als erster Deutscher geehrt wird. 1889 nimmt er an der französischen Weltausstellung teil und wird in die Societe des Beaux-Arts aufgenommen. Nach dem Tode des Vaters 1894 wird er zum Miterben eines Millionenvermögens.
Zum 50. Geburtstagsjubiläum nimmt ihn in die Akademie der Schönen Künste auf und bestreitet eine große Ausstellung seiner Gemälde. Als Liebermann der Professorentitel verliehen wird, befindet er sich auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Ansehens.
Auf Drängen seiner Kunstfreunde wird er zum Präsident des „Zusammenschlusses moderner freier Künstler“. Die erste Ausstellung 1899 unter seiner Leitung wird zu einem europäischen Kunstereignis. 1907 kommt es zu einem Zerwürfnis der Impressionisten und Expressionisten. Liebermann tritt nun als Präsident der Akademie zurück, wird aber zum Ehrenpräsident gewählt. Die erste Ausstellung ohne ihn floppt 1912. Liebermann wird in den Haag der Hausorden von Oranien, an der Friedrich-Wilhelm-Ebert-Universität in Berlin der Ehrendoktortitel verliehen und steigt in den Senat der Akademie der Schönen Künste auf.
1920 wird er zum Präsident der Berliner Akademie der Künste. Max Liebermann versucht fortan verschiedene Stile zu vereinigen und die Akademie unter toleranten Gesichtspunkten zu führen. 1927 wird er zu seinem 80. Geburtstag Berliner Ehrenbürger und es wird eine Ausstellung mit 100 seiner Werke organisiert. 1933 legt er auf Druck der NS-Regierung alle seine Ämter nieder und stirbt 1935 in seinem Berliner Stadthaus. Nach all seinen Verdiensten um die deutsche Kunst, wird sogar die Teilnahme an seiner Trauerfeier aus Angst vor einer Demonstration untersagt.